together PANGEA in der Arena // Review

William Keegan, Sänger und Rhythmus-Gitarrist von together PANGEA, ist ein stiller junger Mann. Wenn er auf der Bühne steht, fixieren seine Augen einen Punkt in weiter Ferne, umherhuschend darauf bedacht, Augenkontakt mit dem Publikum zu vermeiden. Nach Konzerten hält er sich fern vom Merch-Stand und den anderen Bandmitgliedern,  lächelt höflich und verschüchtert, wenn man ihn dann doch anspricht. In Interviews denkt er häufig so lange über die Antworten zu Fragen nach, dass die anderen Bandmitglieder ihm zuvorkommen.

Die Live-Show seiner Band hingegen, ist laut und extrovertiert. Als William Keegan, Danny Bengston (Bass), Erik Jimenez (Drums) und Roland Cosio (Lead-Gitarre) die Bühne der Arena betreten murmeln sie beschwörende Worte ins Mikro. „Vienna… Vienna Rock City… you guys invented Rock ‚n‘ Roll“.
Jeder, der öfter auf Gigs in Wien geht, weiß wie ironisch diese Worte anmuten könnten, steht der gemeine Wiener bei Konzerten doch am liebsten Zigarette rauchend und Arme verschränkt weit abseits der Bühne. together PANGEA spielen jedoch Musik, die derartiges Verhalten auf ihren Konzerten unmöglich macht. In ihrer kalifornischen Heimat wurden ihre Konzerte schon des öfteren abgebrochen, weil die Moshpits und das Stage diven im Publikum ausarteten. Die Anfänge der Band als musikalische Untermalung von exzessiven Hausparties sind ebenso legendär.

Und auch heute in der Arena lassen sich die Fans nicht zweimal bitten. Schon beim Opener „I Looked In Too“ fangen die ersten im Publikum an zu tanzen. Als nächstes Lied folgt „Kenmore Ave“, einer von drei Songs, die Bassist Danny Bengston für die neue Platte Bulls and Roosters geschrieben hat. Es ist das erste Album, an dem er auch als Songwriter mitwirkte.
Bengston schrieb „Kenmore Ave“ in einer Entzugsanstalt. Viele Auftritte der Band wurden von seinem exzessiven Alkoholkonsum überschattet, es gab Konzerte, bei denen er so betrunken war, dass er nicht mehr aufstehen konnte.
„Music was a party to us and we did not take it seriously. In every aspect of the band now, we know this is our lives and we are more grown-up about it. It’s a lot less juvenile than it used to be. We’re not looking for the after-party after the show”, sagte er in einem Interview.

Nicht nur die Bandmitglieder an sich, auch die Musik wurde reifer.  Auf der heutigen Setlist folgen die Singles „Better Find Out“ und „Money On It“, ebenfalls vom aktuellen Album Bulls and Roosters. Man merkt dem Album an, dass sich die Band intensiver mit dem Songwriting und dem Einspielen befasst hat, die Songs wirken nicht mehr so hingerotzt, sauberer. In diesem Fall auf eine durchaus positive Art und Weise.

Mittlerweile ist die Band bei der Hälfte der Setlist angekommen, die beinahe so perfekt abgestimmt ist, wie ein Trainingsplan. Und genau wie bei einem guten workout, bringt einen der Aufbau von abwechselnd schnellen und etwas langsameren Songs richtig ins Schwitzen. Die Gesichter im Publikum glühen, jeder scheint ein wenig dankbar für die Pausen zwischen den Liedern zu sein, die einem ermöglichen, Luft für den nächsten Moshpit zu holen.

Die Band scheint tatsächlich in vielerlei Hinsicht dazugelernt zu haben. Ihr drittes Album Badillac erschien 2014 auf dem Major-Label Universal. Die Band hat damals alle Verwertungsrechte für das Material an die Plattenfirma verloren, eine Tatsache, die immer noch an ihnen zu nagen scheint. Umso gewillter sind sie offenbar, die Tage ihrer Unbedarftheit als Akteure in der Musikwelt hinter sich zu lassen, die Drogen, die Parties, den Exzess. Übrig bleibt die Musik. Für die Fans am heutigen Abend mehr als genug.

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