In Conversation With… Schnipo Schranke

Mit Schnipo Schranke zu reden, macht Spaß. Die zwei Wahl-Hamburgerinnen sind im Interview nämlich genauso ehrlich, wie in ihren viel-gerühmten Pop-Songs. Ein Gespräch über ungenierte Songtexte, Depressionen und die Bürde, Teil der Generation „Leistungsgesellschaft“ zu sein.

Während im Rahmen des österreichischen Nationalfeiertags am Schottenring die Panzer vorbeirollen, feuern Daniela Reis und Friederike (genannt „Fritzi“) Ernst von Schnipo Schranke, ein Stockwerk tiefer am Donaukanal, lieber mit schlagfertigen Worten um sich. Zuerst beim Interview im Flex Café und dann später beim Konzert auf der Bühne, vor der sich eine Vielzahl an pubertierenden Jungs eingefunden hat, die sich beschämt-verschmitzt angrinsen, wenn die Mädels auf der Bühne Zeilen wie „Komm in meine Arme, komm in meinem Mund“ singen.
Das restliche Publikum ist jedoch breit gefächert und scheint mehrere Sorten von Musikliebhabern zu vereinen. Von den älteren Pärchen, die schüchtern im hinteren Teil des Clubs verweilen, über die Hipster, die an ihrem Club Mate nuckeln, bis hin zu den jungen, ekstatisch tanzenden Mädchen in der Mitte der Flex-Halle, allen ist die Faszination über das, was sie gerade auf der Bühne begutachten können, anzusehen.
Die Ehrlichkeit, mit der Schnipo Schranke ihre Songs vortragen, hat nämlich nichts von Provokation oder Ironie, sie gleicht vielmehr der von kleinen Kindern, die unverschämt sagen was sie denken und sich noch nicht vorstellen können, dass sie dabei irgendetwas falsch machen könnten.
Ja, ihre Aufrichtigkeit will eigentlich gar nichts und bekommt vielleicht gerade deshalb so viel Aufmerksamkeit.

Das deutschsprachige Feuilleton arbeitet sich seit der Veröffentlichung von Schnipo Schrankes erstem Album „Satt“ an deren unverblümten Songtexten ab, in denen es oft um Pisse, Pimmel und Sperma geht. Doch die Band auf das zu reduzieren, wäre ein fataler Fehler. Dass die zwei nämlich ein Händchen im versierten Umgang mit Worten und Sprache haben, zeigt sich nicht nur darin, dass sie das Wort „schon“ auf „Schilddrüsenunterfunktion“ reimen und „Ich hasse mein Leben, denn es stiehlt mir meine Zeit“ skandieren, sondern auch in der überlegten Art und Weise, in der die zwei überaus sympathischen Frauen, die im Interview gestellten Fragen beantworten.

 

Wie geht’s euch, wie läuft die Tour bisher?

Daniela: Gut! Wir haben jetzt gerade diese kleine Österreich-Tour, das sind nur vier Termine und davor waren wir zwei Wochen zuhause. Deswegen sind wir gerade noch entspannt.
Wird es dann immer schwieriger?

Daniela: Am Anfang ist einfach die Band-Moral noch ganz oben. Je länger die Tour geht, desto öfter verliert man sein Gesicht.

Fritzi: Aber wir haben grad auch immer Pausen dazwischen.

Tourt ihr gerne? Oder ist das so ein Übel, das ihr in Kauf nehmt?

Daniela: Diesmal nehme ich das zum ersten Mal richtig als Chance wahr. Man gibt ja irgendwo die Verantwortung ab wenn man auf Tour fährt. Es gibt dann einfach nichts anderes in der Zeit und man kann halt wieder Kind sein, irgendwie. Wie im Ferienlager, oder so. Ich finde schön, dass man das Zuhause so stehen lassen kann und wegfährt, dabei aber arbeitet.

Also so quasi eine legitimierte Realitätsflucht…

Daniela: Ja genau, das kommt ganz geil so. Das war ´ne gute Idee, denk ich mir jetzt im Nachhinein.

Fritzi: So viel Spaß am Touren wie grade, hatte ich irgendwie noch nie. Ich spiele gerade auch voll gerne. Ich find’s schön, dass man die Leute sieht, die die Musik hören, die wir machen. Das weiß man ja gar nicht, wenn man zuhause sitzt und jetzt ist halt der Moment, wo man das erleben und genießen kann.

Ihr redet ja ziemlich offen darüber, dass ihr, bevor das losging mit eurer Band, dass ihr da Depressionen hattet, Lethargie…

Daniela: Nicht nur vorher, die haben wir immer noch!

Aber es hat sich wahrscheinlich ein bisschen verändert, dadurch dass ihr Erfolg habt und Wertschätzung erfährt für eure Arbeit. Was würdet ihr sagen ist der Unterschied zwischen dem „Davor“ und „Danach“?

Daniela: Das Ding ist, da ist kein klarer Cut. Eine Depression ist einfach eine psychische Krankheit. Und so lange das gedauert hat, bis sie sich eingeschlichen hat, so lange dauert es auch, bis sie sich wieder ausgeschlichen hat.
Für mich sind die Bedingungen gerade perfekt, um gesund zu werden. Die Phasen in denen ich gesund bin, werden immer länger. Trotzdem holt es einen immer wieder ein. Aber man erinnert sich jetzt eher dran, dass es auch anders laufen kann. Damals musste ich erst mal mein Leben ändern, um eine Basis zu haben, gesund zu werden.

Es ist immer wieder aufs Neue ein Prozess,…

Daniela: Ja und dann haut’s doch wieder rein. Bei mir war’s erst kürzlich, letzte Woche, so. Da verhagelt’s einen dann doch wieder. Und man denkt sich „Krass, ich wusste gar nicht, dass das nochmal möglich ist.“
Andererseits, ich habe nur ´ne Woche gebraucht und jetzt geht’s mir wieder blendend. Ich hab Rückhalt durch die Band, Sicherheit, alles mögliche. Das hat schon auch was mit Geld zu tun.

Was waren die Lektionen vom Aufnehmen des erstens Albums, die ihr beim Aufnehmen von zweiten Album angewandt habt?

Fritzi: Wir hatten ja beim ersten Album noch sehr wenig Ahnung vom Aufnehmen und von Sounds und davon, was man eigentlich alles machen kann. Auch, wie man die Synths einsetzen kann, die wir ja da zum ersten Mal richtig benutzt haben. Und beim zweiten Album hatten wir schon auf dem Schirm, welche Instrumente wir im Studio benutzen wollen und haben das schon vorbereitet. Wir sind weggefahren, in so einen alten Gutshof, wo ein riesiger Raum war und dort haben wir aufgenommen.
Als ich die Rohfassung vom ersten Album gehört habe, da dachte ich „Ach du scheiße, klingt das furchtbar“ und ich konnte mir nicht vorstellen, dass das noch was wird. Beim zweiten Album klang das Instrumentale schon schön, weil der Raum schon so gut klang, da kann man viel mehr machen.

Daniela: Ich denke, dass vor allem vieles schlechter läuft, beim zweiten Album. Man versucht eher zu verhindern, Fehler zu machen. Das ist auch ein wichtiger Aspekt, weil man nie wieder so an unvoreingenommen rangehen kann, wie bei der ersten Platte.

Fritzi: Wobei, als wir bei der zweiten Platte auf dem Gutshof waren, da waren wir schon endlos entspannt.

Daniela: Das will ich ja gerade sagen, ich war noch nicht fertig. (lacht)
Es ging eben vor allem darum, das zu verhindern. Dass uns das nicht passiert, das wir anfangen, jetzt was mit Berechnung zu schaffen, was sich ja automatisch einschleicht, weil du zum ersten Mal Feedback bekommst durch die Presse. Oder überhaupt eine Rückmeldung.

Das ist ja oft etwas, was Bands sagen, dass man für das erste Album ein Leben lang Zeit hätte und beim Zweiten ist dann dieser ganze Druck da und die Stimmen von außen kommen dazu.

Daniela: Ja, aber bei uns war gar nicht so viel Druck oder so, weil wir von Vornherein gesagt haben, wir sollten einfach wieder das machen, was wir selber am Geilsten finden. Wenn das für uns geil klingt, dann hauen wir das raus. Das war die Devise. Und irgendwie glaube ich, dass man es anders nicht machen sollte.

Immer und immer wieder werden in Artikeln über euch eure „provokanten“ Texte hervorgehoben. Woher glaubt ihr kommt das, dass manche Wörter so einen Unwillen in Menschen auslösen, dass sie sich durch unverblümt ausgesprochene Worte wie „Pisse“, „Pimmel“ oder „Sperma“ so provoziert fühlen?  Warum werden solche Wörter überhaupt als provokant angesehen?

Fritzi: Das fragen wir uns ja auch! (lacht)

Daniela: In der Blase in der wir leben ist das nicht provokant, sondern normal. Deswegen waren wir auch überrascht darüber, dass man das über uns gesagt hat und immer noch sagt. Wir dachten, dass das längst salonfähig ist, weil wir auch viel Sido gehört haben und wenn man eine gewisse Sozialisation hat und musikalisch gern so etwas hört, dann kann man oft nicht mehr verstehen, dass es andere Menschen gibt, die das anders sehen.

Fritzi: Wir finden das zum einen normal und zum anderen halt auch wahnsinnig lustig. Der Humor-Aspekt spielt da schon ´ne große Rolle. Ich find das halt einfach lustig, wenn man ‚Pimmel‘ singen kann und so. Ich muss da lachen, wenn das jemand macht.

Daniela: Es ist uns halt wichtig, dass man auch lachen kann. Für uns sind ja Songs auch Therapie, weil wir ja immer was verarbeiten, was nicht so angenehm war. Da ist das einfach die beste Strategie, dass man sich selbst zum Lachen bringt, wenn es ein Problem gibt.

Wenn es für uns geil klingt, dann hauen wir es raus. Das war die Devise. Und irgendwie glaube ich, dass man es anders nicht machen sollte.

 

Gibt’s trotzdem was, wo ihr sagt, da ekelt sogar ihr euch, da könnt ihr nicht mehr drüber lachen?

Fritzi: Ich mag natürlich keine Texte, die ernsthaft frauenfeindlich sind. Gerade im Hip-Hop gehört das ja auch ein bisschen dazu und ist bei vielen ja auch zum Stilmittel geworden und nicht unbedingt so ernst gemeint. Aber es gibt natürlich auch Leute, die das ernst meinen. Das muss halt nicht sein. Das find ich scheiße.

Daniela: Nein, darüber kann man nicht lachen, nö… Ich kann auch nicht darüber lachen, wenn jemand unsere Band scheiße findet. (lacht)
Natürlich kann ich auch nicht über die AfD lachen oder die… wie heißen die?

FPÖ?

Daniela: Ja. Darüber kann ich auch nicht lachen. Sowas halt.
Ich kann auch über Teile meiner psychischen Krankheit nicht lachen. Und ich möchte auch nicht, dass jemand anders sich in irgendeiner Form darüber lustig macht, außer mir selber.
Das entscheidet man aber Detail für Detail, wenn man einen Text schreibt, was man wirklich preisgeben will und was nicht. Es mag sehr offen wirken, aber oft gibt es noch eine andere Seite von derselben Thematik, über die ich niemals lachen würde.

Fritzi: Man darf sich halt nie über Sachen lustig machen, die einen selber betreffen. Das wird immer problematisch. Wir haben auch gar kein Bedürfnis gehässig zu sein in unseren Songs. Und Rachesongs find ich zum Beispiel auch immer total blöd.

Daniela: Das ist auch die Mühe nicht wert. Ein Song ist ja immer wie ein Wunder, wenn einem was eingefallen ist. Und dann wäre es doch schlimm, wenn man das jemandem widmet, den man hasst. Das macht keinen Sinn.
In euren Songtexten höre ich ein bisschen eine Kritik an unserer „Leistungsgesellschaft“ heraus. Glaubt ihr, dass unsere Eltern es da einfacher hatten? Glaubt ihr, wir leben in Zeiten, in denen es besonders schlimm ist, was Leistungsdruck betrifft?

Fritzi: Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht! Ich hatte das Gefühl, als wir studiert haben, dass die Jahrgänge, die nach uns kamen wahnsinnig strebsam waren, also viel strebsamer als wir. Da kam dann auch das mit dem G8, also nur 8 Jahre Gymnasium. Und ich glaube dass das einiges verändert hat. Die Leute, die da nachkamen, die waren unglaublich übermotiviert. Ich weiß aber nicht, wie es in der Zeit von meinen Eltern war.

Daniela: Ich kann das bestätigen, ich hab das auch so erlebt. Meine Oma hat auch mal gesagt, dass sie unsere Generation bemitleidet, weil wir so viele Möglichkeiten haben. Das fand sie so verheerend. Die fand das schräg, wenn ich gesagt habe, ich könnte ja auch berühmt werden, theoretisch. Theoretisch alles. Dann ist man auch nicht zufrieden, bis man das hat. Meine Oma meinte immer, sie beneidet mich nicht darum, dass ich mir derartige Ziele überhaupt setzen KANN.

Fritzi: Es gibt zum einen diese Leute, die das so knallhart durchziehen, ich kenne aber auch wahnsinnig viele aus unserer Generation, die halt tierisch am Suchen sind, seit Jahren schon. Die wissen nicht, was sie machen sollen, weil sie denken, dass sie das Perfekte für sich finden müssen.

Daniela: Wir haben gerade auch einfach nur Glück, weil wir nicht daran zweifeln mussten, was wir gerade tun. Ich glaube nicht, dass es irgendetwas geben könnte, was passender für mich wäre, als das jetzt gerade. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass alles stimmt.

Fritzi: Man hat halt heutzutage die Möglichkeit alles zu machen, was man möchte und dadurch entsteht aber auch der Druck, dass man das finden muss und dass man sich nicht mit etwas zufrieden geben darf, was man nur so ‚ganz gerne‘ macht. Sondern es muss das sein, wo man am allermeisten drin aufgeht. Das macht auch wieder einen tierischen Druck natürlich.

Meine Oma fand das schräg, wenn ich gesagt habe, ich könnte ja auch berühmt werden, theoretisch. Theoretisch alles. Dann ist man auch nicht zufrieden, bis man das hat.

Ich sehe das auch ein bisschen in meinem Freundeskreis und an mir selber, dass man eben wirklich durch die vielen Möglichkeiten, die man hat und die Erwartungen an sich selbst und die der Umgebung, man dann umso mehr in Apathie verfällt und in Gefahr gerät, gar nichts mehr zu machen. Fast wie eine Starre, eine Lähmung, weil man Angst hat, den falschen Weg einzuschlagen. 

Daniela: Apathie ist ein gutes Wort dafür, ja. So ging’s uns ja auch, bevor wir die Band hatten. Es war irgendwann klar, dass das was wir im Studium gemacht hatten, nicht das ist, was wir für immer machen wollen und dann kommt Druck auf. Dass das jetzt geklappt hat, ist einfach ein Segen. Nichts, als ein Segen.
Nehmt ihr euch selbst als schüchtern wahr? Und wenn ja, wie meistert ihr das Tourleben, das ja doch gezwungenermaßen mit viel sozialem Kontakt einhergeht, durch die vielen Leute, mit denen man zu tun hat, Interviews…

Fritzi: Ich würde schon sagen, dass ich schüchtern bin. Das hat sich schon auch rausgewachsen, als Kind war das richtig schlimm! Mittlerweile geht’s. (lacht)  Aber gerade gestern, als wir gestern nach dem Konzert zum Merchstand geschlichen kamen, hat direkt der erste zu uns gesagt „wie schüchtern ihr hier angeschlichen kommt“. Dem ist das direkt aufgefallen. Aber das ist natürlich auch tagesformabhängig. Manchmal ist man auch auf der Bühne mal schüchtern. Was ich mir aber auch nicht verbieten will.

Daniela: Ja, das ist nichts was andern wehtut, find ich.
Manchmal missinterpretieren Leute auch Introvertiertheit bzw. gerade einfach nichts zu sagen haben, als Schüchternheit. 

Daniela: Ja. Aber ich bin eigentlich sehr extrovertiert. Auf der Bühne hab ich das aber  ganz oft, während der ersten paar Songs, dass ich echt eingeschüchtert bin von den Blicken. Dann kann ich nichts sagen, so ist das dann halt.

Fritzi: Aber es ist immer anders.

Daniela: Ja, klar! Aber ich merke auch, dass ich selbstbewusster bin, als früher. Oft ist Schüchternheit ja nur die Angst, was falsch zu machen. Wenn man nicht mehr das Gefühl hat, dass man ein wandelnder Fehler ist, dann sagt man auch eher mal was.  Weil du auch vorher meintest, wegen der Leute die man auf Tour trifft, es sind ja auch die Leute, die man hinter der Bühne trifft. Die Veranstalter, Techniker und so. Da merke ich, dass es mir mittlerweile viel leichter fällt, Small Talk zu führen. Das konnte ich früher gar nicht! Mittlerweile fällt mir da echt was ein. Ich merke einfach, dass ich keine Angst mehr habe und dadurch nicht gehemmt bin. Ich hab nämlich schon Lust mich mit Menschen zu unterhalten, ich hatte nur immer Angst, dass ich was Doofes sage. Jetzt sage ich immer noch was Doofes, aber es ist mir egal (lacht.)

Oft ist Schüchternheit ja nur die Angst, was falsch zu machen. Wenn man nicht mehr das Gefühl hat, dass man ein wandelnder Fehler ist, sagt man eher was. Ich hab nämlich schon Lust mich mit Menschen zu unterhalten, ich hatte nur immer Angst, dass ich was Doofes sage. Jetzt sage ich immer noch was Doofes, aber es ist mir egal.

Ihr habt ja – um nochmal auf das unschöne Thema Depressionen zurückzukommen – wie schon erwähnt einen sehr offenen Umgang damit. In Österreich gibt’s da immer noch recht viel Stigma drum herum, es ist sehr mit Scham besetzt, man redet nicht so drüber. Auch von der medizinischen Seite fehlt die Anerkennung noch ein bisschen, man wartet oft Jahre auf einen Therapieplatz, psychischer Schmerz ist dem physischen nicht gleichgestellt. Wie sieht da die Situation in Deutschland aus?

Daniela: Therapieplätze sind da auch sehr rar! Ich will schon seit drei Jahren einen haben. Es ist tatsächlich so, dass man beim Psychiater selbst wenn man in einer laufenden Behandlung ist, drei bis vier Monate auf den nächsten Termin warten muss. Ich hab vor vier Monaten einen Termin bekommen für jetzt im Oktober und habe eine Woche vorher einen Brief bekommen, dass mein Termin leider auf den 18. Dezember verschoben wurde. Die Ärztelage ist fatal. Aber nicht nur bei den Psychiatern, auch andere Fachärzte, wie Lungenärzte, alles. Du kriegst eigentlich nur beim Hausarzt sofort einen Termin.

Fritzi: Bei mir war es neulich so, dass ich auch einen Therapieplatz wollte. Dann hab ich bei meiner Krankenkasse angerufen und die haben mir dann eine andere Nummer gegeben, wo man anrufen kann und die vermitteln Erstgespräche. Und dann kriegst du erst viel später einen Termin. Und das ist dann auch kein fester Therapieplatz. Und nur wenn ich Glück habe, kann ich da bleiben.

Daniela: Das ist auch sehr abhängig von der Diagnose.

Fritzi: Ja! Und in der Gesellschaft… wir bewegen uns ja in einem Kreis, wo jeder zum Psychiater geht (lacht).

Daniela: Da weiß man halt wieder nicht, wie es außerhalb unserer Blase ist.

Fritzi: Ich glaube, dass es in den meisten Kreisen vielen schwer fällt, das ernst zu nehmen, auf jeden Fall!

Daniela: Einem Teil meiner Eltern fällt es zum Beispiel schwer, das ernst zu nehmen. Ich musste einmal richtig stationär in die Psychiatrie und dann hab ich das einfach so erzählt, einfach als Information und das war nicht nachzuvollziehen. Dann hat der andere Elternteil gesagt, dass es wohl mit der Generation zu tun hat.

Fritzi: Ich weiß nicht, ob das wirklich was mit der Generation zu tun hat…

Daniela: Oder es hat was mit Dorf und Kaff und Stadt zu tun.

Fritzi: Und in Österreich gibt’s doch viel mehr Kaff!
Ja, ich komm aus so einem Kaff! Da gibt’s kaum so was wie Infrastruktur in Sachen Psychotherapie.

Daniela: In meinem Kaff in Deutschland auch nicht. Vielleicht ist es hier verheerender, weil die Fläche an Kaff größer ist (lacht.)
Am Land flüchten sich die Leute halt alle in Alkoholismus.

Daniela: Genauso ist es bei uns auch!  In Amerika geht ja zum Beispiel jeder zum Psychiater. Ich glaube, dass sich das aber auch verändern wird bei uns, wenn unsere Generation alt ist. Da wird’s dann anders aussehen.
Auf jeden Fall muss man viel mehr darüber reden. Deshalb finde ich es auch sehr gut, dass du uns diese Fragen stellst! Wir sprechen das in den Songs ja auch nicht nur aus Spaß an, weil wir es witzig finden. Uns ist das schon auch ein Anliegen. Wenn man darüber redet, ist es kein Schreckgespenst mehr. Man kann sich dann gegenseitig helfen und dann ist es auch nicht mehr bedrohlich.

 

 

 

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