Warum Feminismus im Jahr 2017 wichtiger ist, als je zuvor

Über einen Kampf, der noch lange nicht zu Ende ist.

Die Umgebung, in der ich aufgewachsen bin und den Großteil meiner Jugend verbrachte, war sehr ländlich-konservativ geprägt. Dennoch hatte ich als Kind und Jugendliche komischerweise nie das Gefühl, dass ich jemals aufgrund meines Geschlechts benachteiligt worden wäre und war, wie so viele, lange Zeit in dem Glauben, dass Feminismus in diesem Jahrtausend in Österreich seine Ziele erreicht hat. Dennoch lag mir das Betonen meiner feministischen Gesinnung immer am Herzen, da mir einerseits bewusst war, wie fragil diese (vermeintliche) Gleichberechtigung noch war und andererseits über die globale Situation der Frau Bescheid wusste, die in vielen Ländern nach wie vor katastrophal ist.

In den letzten Monaten fiel mir jedoch verstärkt eine sehr beunruhigende Entwicklung auf.

Ich merkte, wie tief Rollen, die der Frau einst zugewiesen waren, noch in vielen Köpfen verankert sind. Und was mich dabei vor allem schockierte, war die Tatsache, dass ich mich nicht aus meiner „Filterbubble“ heraus, mich nicht in tiefstes Wirtshaus-Milieu zu bewegen brauchte, um auf sexistisches und teilweise misogynes Gedankengut zu stoßen.

Als ich selbst manche meine männlichen Freunde ab und zu ein „naja,…“ murmeln hörte, wenn ich feministische Themen ansprach und Bekannte sich nach jedem publik gewordenen prominenten Missbrauchsskandal (Kesha, Lady Gaga, Maria Schneider, Gina Lisa Lohfink, etc.) darüber echauffierten, dass das doch eh immer alles nur Publicity-Stunts wären; als ich Artikel wie „Warum Feminismus mich anekelt“ lesen musste und feststellen musste, dass ich mich nicht mehr traute, Kommentare unter Artikeln oder Videobeiträgen zu lesen, die von weiblichen Journalisten stammten, weil sie so voller Hass gegen Frauen strotzten und dieser beim Blick auf die Profile aus allen Bildungs- und Gesellschaftsschichten stammten – da wurde mir klar, das Feminismus noch lange nicht obsolet geworden ist, traurigerweise offenbar nicht einmal in meinem Freundeskreis.

Ich habe also beschlossen, dass es nicht reicht, mich selbst als Feministin zu fühlen und diese Position auf Nachfrage zu bestätigen. Nein, vielmehr musste ich die Anliegen des Feminismus auch aktiv in Diskussionen einbringen, musste Aufklärung leisten, wo sie noch nicht da war und das Schicksal der Frau verteidigen, wenn gerade sonst keiner da war, um es zu tun.

Dass es Männer gibt, die der Feminismus stört, wundert mich nicht. Der Sexismus ist hier dem Rassismus sehr ähnlich, oft entstammt er aus der Angst, eine Vormachtstellung aufgeben zu müssen. Wie übertriebener Nationalstolz bei Patrioten, ist ihre Männlichkeit für viele Männer etwas, wofür sie nie etwas tun mussten, und auf das sie trotzdem stolz sein konnten.

Warum also Männer Sexisten sind, die außer ihrer Rolle als starkem Mann nicht viel haben, was ihre Persönlichkeit definiert, überrascht mich demnach nicht.

Warum aber gibt es auch abseits dieser Klischees so viele Männer, denen die Gleichstellung von Mann und Frau ein Dorn im Auge zu sein scheint?

Und warum, und das verwundert mich immer am Meisten, gibt es auch so viele Frauen, die den Feminismus vehement ablehnen? Der Feminismus will doch in seiner Ursprungsform nichts anderes, als dass Frauen den Männern ökonomisch, politisch und gesellschaftlich gleichgestellt sind. (Natürlich gibt es unter Feministinnen, wie in jeder Bewegung, Extremisten, für es mit der Gleichstellung allein noch nicht getan ist). In meinen Augen sind diese Frauen entweder uninformiert oder sehr devot.

Vielleicht gibt es wirklich Frauen, die ihre hierarchisch zurückgestellte Position genießen, die sich in der Rolle des schwachen Mädchens, das dem Mann dient und in „häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt“, wie es im von Norbert Hofer herausgegebenen „Für ein freies Österreich“ so schön heißt.

Einige haben jedoch glaube ich keine oder falsche Assoziationen mit dem Begriff Feminismus und wissen schlicht und einfach nicht, wofür er steht und wofür seine Anhänger kämpfen.

Möglicherweise würde es helfen, die Entwicklung der Rolle der Frau im historischen Kontext genauer zu betrachten. Wie man vor allem in den Studien von Simone de Beauvoir gut nachlesen kann (ein paar der von mir in Folge präsentierten historischen Fakten, habe ihrem Buch „La deuxième sexe“ entnommen), ist es nicht klar, ob die Frau in der Zeit vor der Sesshaftwerdung der Menschheit nicht sogar dem Mann gleichgestellt war und ihre Muskulatur nicht genauso entwickelt war. Jedenfalls weiß man, dass sie sehr schwere Arbeit verrichtete, Lasten zog, Tiere erlegte und Feinde bekämpfte.

Als die Menschen jedoch sesshaft wurden, wurde die Frau recht schnell in die Passivität gedrängt, da sie aufgrund ihrer Menstruation und Schwangerschaften (die damals ja noch nicht kontrolliert werden konnten, die Frauen also ständig außer Kraft setzten) den Schutz der Männer brauchte.

Später, als dann die Schrift eingeführt wurde und Gesetze schriftlich erfasst wurden, hat sich das Patriarchat endgültig durchgesetzt, da die Gesetzesschriften von Männern verfasst wurden.
Hier wurde die Frau erneut aufgrund ihrer Mutterschaft in eine prekäre Rolle gedrängt. Die Gesetze bestimmten schließlich auch das Verwalten der Besitztümer, die über die Nachkommen weitergegeben wurden. Diese Nachkommen gebar die Frau. Deshalb wurde Ehebruch der Frau auch viel schwerwiegender angelastet, als dem Mann, da sie dadurch ein uneheliches Kind in die Familie bringen und den Besitz verspielen konnte.

Diese künstlich von Männern errichtete Welt und Rollenverteilung zieht sich in viele Bereiche. Götter wurden beispielsweise alle von Männern erfunden, in allen Heldengeschichten spielen Frauen maximal eine Nebenrolle.

Das Christentum hat die Unterdrückung der Frau dann weiter fortgeführt, auch der Koran straft die Frauen mit Geringschätzung und Herabsetzung. Sie wird zur Verursacherin der „Sünde“ gemacht, die die Menschheit dem Paradies beraubt hat. In Ländern, die lange Zeit streng katholisch waren, wie Italien und Spanien waren die Frauen dem Mann lange Zeit viel untergebener, als die Frauen in protestantischen Ländern, wie den skandinavischen.

Und noch vor wenigen Jahrzehnten war die Rolle der Frau in Europa sehr schlechten Bedingungen ausgeliefert. Das Wahlrecht für Frauen wurde in der Schweiz beispielsweise erst in den 70er Jahren  eingeführt (im Kanton Appenzell sogar erst in den 90ern!), in Portugal erst in den 80er Jahren.

Künstlerische Ambitionen von Frauen wurden jahrhundertelang unterdrückt, noch im 19. Jahrhundert mussten viele Autorinnen ihre Manuskripte unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichen, um verlegt zu werden. Den Frauen wurde ein Weg in die Kreativität und Selbstentfaltung immer versperrt. Es gab wenige Vorbilder für Frauen (nicht nur in der Literatur, auch in der Musik, der Malerei, unter Filmschaffenden, etc.). Sie mussten lange Zeit Männer imitieren, um ernstgenommen zu werden. Und zum Teil ist dies heute noch so. Schauspielerinnen, Politikerinnen und Autorinnen werden ständig auf ihre Kleidung, ihre Frisuren, ihre Diättipps angesprochen und wesentlich seltener auf ihre Arbeit, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen.

So lange wir nicht merken, wie viel von diesem Geschlechterklischeedenken noch immer in uns vorherrscht (oft auch gar nicht bewusst), wird es sich nicht ändern.

Was speziell Männer auch verstehen sollten, ist, dass der Feminismus auch ihnen zur Freiheit verhelfen kann. Wie vielen Männern wird von ihrer frühesten Kindheit an gesagt, dass sie „starke Männer“ sein müssen, dass sie nicht „wie ein Mädchen heulen“, oder „wie ein Mädchen Fußball spielen“, sollen?

Auch Männer müssten nicht mehr den ihnen zugeschriebenen Klischees entsprechen, wenn sich die Menschheit von diesen alten Rollenbildern befreit, außerdem sind die Frauen an ihrer Seite viel glücklicher und unabhängiger, wenn man sie voll und ganz sie selbst sein lässt und den Männern ebenbürtig.

Gleichheit bedeutet hier nicht, dass die Frauen zu Männern gemacht werden sollen, sondern dass man sie in ihrer eigenen Stärke und Vollwertigkeit anerkennt.

Denn die Eigenschaften des Mannes, die ihn vermeintlich überlegen machen, tun dies außerdem nur dann, wenn man den Wert und die Kraft eines Menschen an seiner physiologischen Überlegenheit misst. Wenn wir Charakter und Moral als höchstes Gut in einem Menschen hernehmen, ist ein Vorteil in Sachen Muskelkraft nicht mehr so wichtig.

Ich glaube unsere Gesellschaft befindet sich gerade in diesen turbulenten Zeiten auf einem Prüfstand, in welchem wir unsere Werte und Ziele wie nie zuvor verteidigen müssen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eines davon.

 

 

Nachsatz: Ich habe lange über den ersten Satz in diesem Beitrag nachgedacht. Will ich Feminismus wirklich einen „Kampf“ nennen, will ich mich wirklich dieses Kriegsjargons bedienen, der den Feminismus oft so bedrohlich wirken lässt…? Doch ich kam zu dem Schluss, ja ich will!

Denn jede Frau, die schon einmal sexuell belästigt wurde, belächelt und nicht ernstgenommen wurde, die „Schlampe“ geschimpft wurde, weil sie Spaß an Sex hat und „prüde und frigide“, weil sie sich mit einem Mann nicht sicher genug für Sex fühlte, der ungefragt bei Konzerten auf ihre Brüste oder zwischen die Beine gegriffen wurde, die einen Job nicht bekommen hat, weil sie sich nicht männlich genug verhalten, die Avancen ihres Vorgesetzten nicht erwidert, oder zugegeben hat, irgendwann Kinder zu wollen, die bei gleicher Arbeit weniger verdient, als ihr männlicher Kollege, die sich nicht mehr alleine nach Hause gehen traut, weil sie in der Vergangenheit öfters von Männern verfolgt worden ist, die sich rechtfertigen und als Mörderin beschimpfen lassen musste, weil sie abgetrieben hat, die von ihrem Freund oder Ehemann misshandelt wurde, die mit Unverständnis oder gar Verachtung gestraft wurde, weil sie sich dazu entschlossen hat, kinderlos zu bleiben, die ihre junge Tochter mit schmerzendem Herzen angesehen hat, weil sie wusste, dass sie sie eine gefährliche Welt entlassen muss, in der es ihr Bruder immer leichter haben wird als sie, die mit einem Mann verheiratet wurde, der dreimal so alt ist wie sie, der Säure ins Gesicht geschüttet wurde, weil sie die „Ehre“ der Familie verletzt hat, die vergewaltigt wurde und der nicht geglaubt wurde, oder der geglaubt wurde, jedoch nicht ohne sie zu fragen, was sie denn auch um diese Uhrzeit in diesen Shorts alleine auf der Straße machte, oder die Jeans und T-Shirt trug und trotzdem vergewaltigt wurde und sich seither jede Nacht in einen leichten, unruhigen Schlaf weint,

denn jede dieser Frauen weiß verdammt genau, DASS es ein Kampf ist, dass Gleichberechtigung etwas ist, dass nicht von selbst passiert, sondern etwas, das erfordert, dass wir aufstehen und aufschreien und uns wehren, so lange, bis wir erreicht haben was wir wollen

und das ist, und das sollten endlich alle verstehen, keine Überlegenheit, sondern GLEICHHEIT!

9 Gedanken zu „Warum Feminismus im Jahr 2017 wichtiger ist, als je zuvor“

  1. Ich finde es immer erstaunlich, dass so wenig Selbstreflexion aus dem Feminismus kommt.

    Leute sehen es nicht so wie wir? Das Patriarchat muss stark sein und die Unterdrückung umfassend!

    Statt mal nachzudenken, welche Vorteile „konservative Rollen“ für Frauen bringen und ob sie die vielleicht gar nicht hergeben wollen.
    Es kann zB einer Frau ja relativ egal sein, ob sie weniger verdient als ihr Mann, wenn der das Geld mit ihr teilt und sie du weniger Stress hat, weniger Überstunden macht, weniger den Wettbewerb ausgesetzt ist und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringt.

    Karriere ist nicht einfach mehr Geld. Es erfordert auch viel Verzicht. Es kann starke Einschränkungen der Lebensqualität mit sich bringen, wenn man nicht für das Büro lebt. Und es kann auch schief gehen und die ganze Arbeit war umsonst

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  2. Den Vorwurf der mangelnden Selbstreflexion kann man dem „Patriachat“ umgekehrt wohl viel eher machen.

    Es geht nicht darum, ob die konservative Rolle der Frau irgendwelche Vorteile hat. Es geht darum, dass die Frau die Rolle die sie einnehmen will selbst wählen können soll. (Und das kann sie in vielen Bereichen selbst in Österreich noch nicht, geschweige denn weltweit).

    Und es ist nicht egal, wenn ein Mann für dieselbe Arbeit mehr verdient, als die Frau. Weil das suggeriert, dass die Arbeit der Frau oder gar sie selber weniger wert ist. Und dem ist einfach nicht so!

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  3. Warum können das denn Frauen nicht wählen?
    Maschinenbau studieren, einen Kindergarten heiraten, nach der Geburt von Kindern minimal aussetzen und eifrig Überstunden machen, eben wie Männer bisher, dann klappt das auch

    Frauen verdienen auch nicht weniger, sieht man gut hier:
    https://allesevolution.wordpress.com/2016/05/21/der-bereinigte-gender-pay-gap-liegt-bei-unter-2/

    Tatsächlich verbreitet niemand mehr Pessimismus bezüglich Frauen als Feministinnen. Warum wollt ihr Frauen Angst machen vor einen Gehaltsunterschied, der nicht besteht, wenn man fair vergleicht?

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  4. So einfach ist das für die Frau nicht.

    Es gibt immer noch viele Verbände und Vereine, in denen Frauen nicht zugelassen, Positionen die von Männer an Männer vergeben werden, seit Jahrzehnten.

    Vor allem in Führungspositionen finden sich immer noch wesentlich weniger Frauen als Männer. Es gibt Berufssparten, in denen Frauen oft komplett übergangen werden, wie zum Beispiel in der Politik (siehe die Zusammensetzung der oberösterreichischen Landesregierung bzw. den Frauenanteil, der in den meisten Parteien verschwindend gering ist).
    Außerdem stehen Frauen oft vor der Entscheidung Kind oder Karriere, bei der ihr meist weder vom Arbeitgeber noch vom Staat Unterstützung zukommt (es gibt nur vereinzelt Länder wie Schweden oder Dänemark, die das hinkriegen.)

    Und weltweit ist die Lage noch viel bedenklicher. In manchen Ländern Europas dürfen Frauen erst seit knapp 20 Jahren überhaupt wählen, in vielen Ländern im Nahen und Mittleren Osten ist es der Frau nicht oder nur unter massiven Einschränkungen erlaubt in die Schule zu gehen, oder zu studieren. Von Selbstverwirklichung sowieso keine Spur, wenn sie nicht als „gefallene Frau“ gelten will.

    Außerdem ist die Arbeitswelt ein Aspekt von vielen. Es gibt so viele Bereiche, in denen die Gleichstellung von Mann und Frau noch nicht erreicht ist.

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    1. „Es gibt immer noch viele Verbände und Vereine, in denen Frauen nicht zugelassen, Positionen die von Männer an Männer vergeben werden, seit Jahrzehnten.“

      Männer sind weitaus unsolidarischer gegenüber Männern als viele Feministinnen meinen. Warum sollten sie da auch besonders solidarisch sein? Es kann ihnen relativ egal sein.
      Was man sich viel eher bewußt machen muss ist, dass es für den Betrieb ein reales Risiko ist und Kosten verursacht, wenn eine Frau schwanger wird und aussetzt. Das gilt um so mehr um so eher man diese Kosten nicht benennen darf und die Frau darüber lügen darf.

      „Vor allem in Führungspositionen finden sich immer noch wesentlich weniger Frauen als Männer.“

      Es finden sich auch wesentlich weniger Kandidatinnen, die dafür in Betracht kommen und sich sowohl dem Wettbewerb stellen als auch die dafür erforderlichen Überstunden machen wollen. Karriere ist ja nicht einfach, dass einem mehr Geld überwiesen wird. Man tauscht häufig Leben außerhalb des Büros zB auch mit der Familie gegen Status und Geld. Beides interessiert Frauen weitaus weniger als Männer.
      Sieht man zB hier schön:
      https://allesevolution.wordpress.com/2014/12/03/mathematisch-hochbegabte-mannern-und-frauen-und-ihre-leben/

      „Es gibt Berufssparten, in denen Frauen oft komplett übergangen werden, wie zum Beispiel in der Politik (siehe die Zusammensetzung der oberösterreichischen Landesregierung bzw. den Frauenanteil, der in den meisten Parteien verschwindend gering ist).“

      Es wollen auch kaum Frauen in die Politik und dort die Arbeit investieren, in irgendwelchen Ausschüssen auf Kreisebene sitzen und über Verkehrskreise mitentscheiden, alles unentgeltlich und zusätzlich zur bisherigen Arbeit, in der Hoffnung, dass man in der Politik aufsteigt. Die Parteien suchen oft händeringend nach weiblichen Kandidatinnen und befördern entsprechende Frauen eher schneller durch die Ränge als vergleichbare Männer. Selbst absolut feministische Parteien wie die Grünen in Deutschland, die für alle Positionen eine Frauenquote von 50% vorschreiben und Doppelspitzen haben, haben nur ca 35% Frauenanteil, die meisten davon sind wiederum nicht zur Mitarbeit bereit.
      vgl zB
      http://felixwernerludwig.over-blog.de/article-wie-die-piraten-den-feminismus-kennen-lernten-84873077.html

      Auf der Mitgliederversammlung wurden die Delegierten für die nächste Bundesdeligiertenkonferenz gewählt. Es standen sechs Plätze zur Verfügung, drei für Männer und drei für Frauen. Die zehn männlichen Bewerber kämpften um jeden Platz, kannten jede Beschlussvorlage und verteidigten verbissen ihre politischen Positionen. Bei den Frauen lag dies anders, es waren nämlich nur drei Frauen anwesend. Die Erste bewarb sich, weil sie schließlich auch zu den letzten vier BDKs gefahren sei, die Zweite wollte sich „so eine BDK auch mal anschauen“ und die Dritte konnte erst zu einer Teilname überredet werden, nachdem man ihr die Übername der Reisekosten versprochen hatte. Da soll sich jetzt jeder selber eine Meinung drüber bilden. Der Arbeitskreis für Gender-Politik hat jedenfalls bis heute nicht getagt (ca. sechs Monate), „weil der Arbeitskreis leider nur zwei aktive Mitglieder hat“ (bei 400 Mitgliedern im Kreisverband).“

      Es ist einfach immer einfach hinter allem Benachteiligung zu sehen. Aber es fehlen an allen Ecken und Enden Frauen, die die Jobs, um die sie angeblich gebracht werden, auch wirklich antreten wollen.
      Wenn Frauen mehr Frauen in der Politik und in Spitzenpositionen wollen, dann müssen sich insbesondere Frauen ändern.

      „Außerdem stehen Frauen oft vor der Entscheidung Kind oder Karriere, bei der ihr meist weder vom Arbeitgeber noch vom Staat Unterstützung zukommt (es gibt nur vereinzelt Länder wie Schweden oder Dänemark, die das hinkriegen.)“

      Männer stehen nur deswegen nicht vor der Entscheidung, weil sie sich gar nicht erst zugunsten von Kindern entscheiden können: Es wird erwartet, dass sie das Geld verdienen.
      Aber auch hier tragen Frauen natürlich dazu bei: Frauen wollen meist einen Mann, der zumindest gleichviel, besser mehr verdient als sie. Eine zukünftige Führungsfrau könnte natürlich auch einen Kindergärtner oder Grundschullehrer heiraten und in ihrer Firma erklären, dass dieser auf die Kinder aufpassen wird und sie direkt nach dem Mutterschutz wieder arbeitet, einfach weil sie mehr verdient als er.
      Die meisten Frauen werden das aber wenig attraktiv finden.

      „Und weltweit ist die Lage noch viel bedenklicher. In manchen Ländern Europas dürfen Frauen erst seit knapp 20 Jahren überhaupt wählen“

      auch hier wird aber ein wichtiger Punkt übersehen: Sie dürfen wählen. Als in Südafrika die Apartheid fiel haben die Schwarzen sofort einen der ihren eingesetzt. Frauen stellen die Mehrheit der Wähler in Deutschland, 53% der Bevölkerung. Sie können recht einfach eine absolute Mehrheit mit einer feministischen Partei erreichen, wenn sie wirklich so schlimm unterdrückt sind. warum schaffen Frauen das bei freien, geheimen allgemeinen Wahlen nicht? Eine Möglichkeit ist, dass sie die Lage gar nicht als Unterdrückung erleben. Die andere, dass sie einfach die am leichtesten zu unterdrückende Gruppe der Welt sind, vollkommen unfähig sich trotz der Mehrheit in einer Demokratie aus der Unterdrückung zu befreien, etwas, was sonst bei keiner mir bekannten Gruppe der Fall ist.
      Welche dieser Möglichkeiten ist es?

      “ in vielen Ländern im Nahen und Mittleren Osten ist es der Frau nicht oder nur unter massiven Einschränkungen erlaubt in die Schule zu gehen, oder zu studieren. Von Selbstverwirklichung sowieso keine Spur, wenn sie nicht als „gefallene Frau“ gelten will.“

      Dennoch schweigen weite Teile des Feminismus dazu, weil es im vorherrschenden intersektionalen Feminismus verboten ist, eine andere Kultur, insbesondere aus dem PoC-Bereich zu kritisieren. Eher verschlimmert der gegenwärtige Feminismus mit seinen diesbezüglichen Denkverboten die Lage.

      „Außerdem ist die Arbeitswelt ein Aspekt von vielen. Es gibt so viele Bereiche, in denen die Gleichstellung von Mann und Frau noch nicht erreicht ist.“

      Dann sollten sich die Frauen vielleicht einfach mal anstrengen.
      Allerdings gibt es auch genug Bereiche, in denen Frauen mehr Rechte als Männer haben. Beispielsweise beim Sorgerecht oder in Bezug auf Gleichstellung bei Schutz und Fürsorge etc.
      Männer gelten immer noch als entbehrlich, entsorgbar. Frauen als beschützenswert. Man liest immer mal wieder „20 Tote, darunter 4 Frauen und 2 Kinder“, als wäre der Tod der Männer nicht so schlimm.

      Männer begehen immer noch weitaus häufiger Selbstmord, leben 7 Jahre kürzer, arbeiten einen Großteil der Überstunden, zahlen wesentlich mehr Steuern, erleiden wesentlich mehr Arbeitsunfälle, weil sie die gefährlicheren Jobs haben, bekommen bei einer Scheidung seltener die Kinder etc

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  5. Liebe Christina,
    die Kommentare bestätigen deine Ansichten in deinem Artikel. 😉 “Feminismus” ist eine Worthülse, die jeder gerne so auslegt wie er mag – ähnliches passiert beim Wort “Klimawandel”. Keiner mag sich am Ende des Tages darauf einigen, dass es um gleiche Rechte, Bedürfnisse und Pflichten geht. Die stehen jedem Menschen zu. Historisch gesehen ist ein Ungleichgewicht entstanden, was sicherlich besser geworden ist, aber noch nicht am Ende einer Entwicklung – was die Kommentare zeigen. Hier geht es doch einfach nur um Empathie und weniger um: meine Argumente sind besser als deine.
    Danke für deinen Beitrag!

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    1. Danke, das sehe ich ebenfalls so!
      Ich finde es selber schade, dass Diskussionen über den Feminismus immer so ausufern müssen und man sich dann in Statistiken, Studien und hitzigen Debatten verlieren. Wenn der Feminismus schon alles erreicht hätte – nämlich die anerkannte Ebenbürtigkeit von Mann und Frau in allen Belangen – wären diese Diskussionen gar nicht notwendig.

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