Über die Verantwortung, sich über das Weltgeschehen zu informieren

Vor ein paar Monaten hat mir mein Vater erzählt, dass er und seine Frau ihr Zeitungsabo gekündigt haben. Sie wollen keine negativen Nachrichten mehr lesen, meinten sie, nichts mehr von den ganzen Grausamkeiten auf der Welt wissen.
Einerseits verstand ich ihren Standpunkt, andererseits hat er mich aber auch ein bisschen wütend gemacht.

Es war dieses Wegschauen, das ich in dieser Handlung erkennen konnte, als würden sich die Probleme der Welt in Luft auflösen, wenn man sich ihnen nicht mehr widmet. Nun, für einen selbst tun sie das dann wohl tatsächlich, aber gibt es nicht eine gewisse Verpflichtung, die man als Mensch anderen Menschen gegenüber hat, nämlich sich um das Wohlbefinden aller zu sorgen, auch wenn es einen nicht direkt betrifft und es außerhalb seines Blickfeldes passiert?

Die Menschen in Aleppo gerade, Frauen in Saudi-Arabien und dem Iran, Schwarze in den USA, und so viele mehr, durchleben in diesem Moment unglaubliche Ungerechtigkeiten und die Medien sind der einzige Weg, wie das Wissen über diese (Kriegs-)verbrechen flächendeckend zu uns gelangen kann, sowohl offline als auch online.

Ich habe lange die Meinung vertreten, dass das Beste was ein jeder für den Weltfrieden tun könne, wäre, dass sich jeder nur in seiner unmittelbaren Umgebung moralisch und ethisch zu verhalten brauche.
Wenn das schließlich alle täten, ginge es allen gut. Das Ding ist halt nun mal eben, dass sehr viele Menschen dies nicht tun.

Jetzt stellt sich die Frage, tragen wir Verantwortung für das Unrecht das auf der Welt geschieht?

Müssen wir uns schuldig fühlen, für etwas, das andere verbrechen?

Hat es überhaupt einen Sinn, sich aufzuregen, kann ein einzelner Mensch überhaupt etwas ändern?

Dostojewski hat einmal geschrieben „Jeder Mensch ist für alle und alles verantwortlich.

Ich stimme dem zu, aber nur zum Teil.

Als angehende Journalistin ist es natürlich mein Job, mich täglich mit dem Weltgeschehen zu befassen.

Und ja, es ist frustrierend und unglaublich zermürbend, sich jeden Tag den Zustand unserer Welt anzutun, vor allem, weil es den Anschein macht, als würde sich nie etwas ändern. Kriege, die sich über Jahrzehnte hinziehen, euphorisch entfachte Revolutionen, die in erneuter Hoffnungslosigkeit verlaufen, die immer gleichen blutleeren Politiker-Phrasen, die sich um konkrete Worte winden…

Dennoch bin ich gerade aufgrund meines ständigen Beschäftigens mit dem Weltgeschehen der Meinung, dass es uns alle angeht, was auf diesem Planeten passiert.

Auch wenn es manchmal aussichtslos scheint, aber all die Errungenschaften in Sachen Menschenrechte, Sozialpolitik und Gleichberechtigung, die wir bis jetzt erreicht haben, waren nur möglich, weil Menschen dafür gekämpft haben, weil es öffentliche Debatten darüber gab und einen Willen zur Veränderung.

Damit dies weiterhin geschieht, braucht es guten Journalismus und Medien.

Des Weiteren berichten Medien ja nicht nur über Missstände und Ungerechtigkeiten. Sie geben (wenn man sich umfassend informiert und sich nicht nur einer, oder zwei Quellen bedient) einen Überblick über das, was um uns passiert. Und sich selbst diesen Überblick zu beschaffen, ist wichtig  um sich eine Meinung zu bilden. In Österreich gibt es an die 6 Millionen Wahlberechtigte, doch wieviele von diesen wissen überhaupt wen und was und warum sie wählen? Und trotzdem entscheiden sie mit ihrer Stimme über die Zukunft dieses Landes.

Was für eine große Bedeutung Medien haben, zeigt sich außerdem immer in Staaten, die von Diktatoren und Despoten regiert werden. Die Pressefreiheit ist oft das erste Opfer einer offenen Gesellschaft, denn sie ermöglicht Information und das Aufdecken von Korruption & Machtmissbrauch.

Wir dürfen uns nicht vor Nachrichten verschließen, denn das hieße, dass wir uns vor dem verschließen, was uns (gewissenhafte) Journalisten und Menschenrechtler aus guten Gründen mitteilen wollen. Und meist geht uns das alle etwas an.

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