Adam Green im Flex

Ganz weiß man nicht mehr genau, wie oft man Adam Green schon live gesehen hat, so häufig waren die Besuche, die er der österreichischen Landeshauptstadt bereits abgestattet hat. In fast schon übersättigenden Intervallen schien Adam hier sichtlich den Erfolg zu genießen, der ihm in seiner Heimat über dem Atlantik verwehrt blieb. Nun ist aber doch einige Zeit vergangen, seit Adam Wien das letzte Mal beehrt hat. Kluger Schachzug, denn schien das Interesse an seiner Person schon langsam nachzulassen (geh bitte, Adam Green ist so 2006), so ist er dank seines langen Durchhaltevermögens mittlerweile zu einem Sehnsuchtssymbol derer geworden, die noch immer den wilden Nächten ihrer Jugendblüte nachweinen, als die Zukunft noch egal, die Tschick noch billig und das Flex noch cool war.

Gut trifft sich da, dass sein Konzert am 4.Mai 2016 genau hier – im ausverkauften Flex – stattfindet.  Und überraschenderweise besteht das Publikum nicht nur aus sentimentalen Nostalgikern, sondern aus Vertretern jeglicher Altersgruppen, die mit Euphorie und Vorfreude auf Adam warten, als wäre es das erste Mal.

Die Vorfreude wird bei vielen strapaziert, Adam hat seinen neuen Film mit im Gepäck und lässt diesen in seinen knappen eineinhalb Stunden anstatt eines Support Acts über die auf der Bühne aufgebaute Leinwand flimmern. Immerhin ist „Aladdin“ – der Film zum neuen Album – im Vergleich zu seinen älteren filmischen Versuchen mit etwas mehr Plot versehen und beinhaltet den ein oder anderen Satz, der sich gut für Lacher oder als Inspiration für einen nachdenklichen Tagebucheintrag eignet.

 

Trotzdem ist man froh, als Adam dann endlich auf die Bühne kommt und mit einer perfekten Durchmischung seines bisherigen Song-Oeuvres alle Indie-Herzen im Raum höher schlagen lässt. Auch die neuen Songs machen live einen ordentlichen Eindruck, was vor allem an seiner fantastischen neuen Band liegen mag, die auch den alten Songs einen neuen und lebendigeren Sound mit Funk-Anstrich verleihen.

„I’ve played here many… many times“, muss Adam dann auch einmal schmunzeln und man ist sich nicht ganz sicher, ob man nicht ein wenig Wehmut in seiner Stimme hört, die erkennen lässt, dass er auch manchmal die gute, alte Zeit vermisst.

Das Publikum wird verwöhnt, nicht nur spielt Adam 26 Songs, er lässt auch Stimmen aus der Menge zu Wort kommen und spielt mehrere Songwünsche, inklusive einem Libertines-Cover. Adam verabschiedet sich dann mit dem Klassiker, der immer noch in Indie-Diskos gespielt wird: „Dance With Me“ erklingt und es tanzt nun wirklich jeder, bis in die letzten Reihen.

„What I love most about this place is that it doesn’t really have an address“, lacht Adam zwischendurch mal auf der Bühne. Und trotzdem gehört das Flex zu Wien wie das Riesenrad und der Stephansdom. Und auch ein bisschen wie Adam Green.

 

Photograph ©Christina Masarei

 

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